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"Pulverfass Borkenkäfer" - die Lunte brennt!!

09.06.2017 2016 hatten die Waldbesitzer in der Region bezüglich des Borkenkäfers vergleichsweise noch großes Glück, denn durch einen relativ späten Schwärmflug und durch einen niederschlagsreichen Sommer verzögerte sich die Entwicklung des Buchdruckers doch sehr, so dass die erwarteten großen Schäden weitgehend ausblieben.

Dieses Glück scheint sich heuer nicht zu wiederholen!

In befallenen Bäumen und im Boden überwinterte eine wesentlich höhere Buchdruckerpopulation als im Frühjahr 2016 und wartete auf den Ausflug.

Bereits Anfang April und damit so früh wie noch nie – es war gebietsweise im Landkreis Regensburg schon über 25° Grad heiß – gab es bereits nennenswerte Flugbewegungen des Buchdruckers mit beginnendem Neubefall! Der Hauptschwärmflug setzte in der zweiten Maihälfte mit sehr hoher Intensität ein. Zum Teil wurden in den Monitoring-Fallen des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg historisch hohe Borkenkäfermengen gefangen, die einen Eindruck von der Wucht des Schwärmflugs geben!

Zusätzlich sind die Waldböden – bereits aus dem Winter heraus - nicht ausreichend mit Wasser versorgt - trotz der Niederschläge Ende April / Anfang Mai.

Die Fichtenwaldbesitzer sitzen damit aktuell auf einem „Pulverfass“ voller Borkenkäfer! Die extreme Hitzeperiode in den letzten Maitagen hat die Lunte gezündet: Die Borkenkäfer breiten sich explosionsartig aus. Überall finden sich in allen Waldgebieten des Landkreises Regensburg Fichten mit frischem Bohrmehl! Gleichzeitig beschleunigt das warme Wetter auch die Entwicklung der Käferbruten, die sich deutlich schneller entwickeln als in den Vorjahren!

Der Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (=AELF) Regensburg, Forstdirektor Erwin Engeßer, appelliert in dieser ernsten Situation an alle Fichtenwaldbesitzer, Ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und im engen Abstand von 10-14 Tagen ihre Fichtenwälder auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren!

Die Symptome sind laut Engeßer gut erkennbar: Bei länger befallenen Bäumen färben sich die Kronen braun und die Rinde blättert ab. Frischer Befall ist am braunen Bohrmehl zu erkennen, das sich auf Rindenschuppen, am Stammfuß, in Spinnweben oder auf der Bodenvegetation sammelt.

Bei Käferbefall gilt es, die befallenen Fichten unverzüglich aufzuarbeiten und mindestens 500 m aus dem Wald zu schaffen.

Auch Resthölzer, das Kronenmaterial oder stärkere Äste müssen in derlei Fällen aufgearbeitet werden! -  am effektivsten durch Häckseln des Materials.

FD Engeßer erinnert in diesem Zusammenhang die Waldbesitzer daran, die Vorteile und Effektivität moderner Forsttechnik zu nutzen und Harvester-, Forwarder- und Hackerkapazitäten zu nutzen. So können Käferhölzer nicht nur schnell und effektiv, sondern auch sicher aufgearbeitet werden!

Eine gute Adresse sind in derlei Fällen immer die örtlichen Waldbesitzervereinigungen sowie auch örtliche Forstunternehmer.

Die sogenannte „saubere Waldwirtschaft“ ist nach FD Engeßer die einzig wirksame und bewährte Methode, um eine Massenvermehrung zu verhindern, die auch größere Waldflächen zum Absterben bringen kann!

Sollten Waldbesitzer hinsichtlich des Befalls unsicher sein, können Sie sich selbstverständlich zunächst einmal an die zuständigen Revierförster des AELF Regensburg wenden.

Forstdirektor Engeßer warnt die Waldbesitzer eindringlich vor den Folgen nicht durchgeführter Kontrollen / Bekämpfungsmaßnahmen: „Der Borkenkäferbefall, der jetzt übersehen wird bzw. nicht rechtzeitig aus dem Wald geschafft wird, entwickelt sich im Sommer exponentiell! Versäumnisse rächen sich im August und September bitter! Wir reden dann nicht mehr von befallenen Nestern, sondern möglicherweise von ganzen Hektaren!

Waldbesitz verpflichtet! Dämmen Sie die Aktivitäten des Buchdruckers jetzt ein – so heftig war es seit 1992 nicht mehr!“

Detailinfos zum Borkenkäfer und einen aktuellen Überblick über die Gefährdungslage gibt es auf der homepage der Bayer. Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft unter www.borkenkaefer.org.

 

Bild 1: Sicherster Nachweis bei Neubefall durch Borkenkäfer: Frisches Bohrmehl in Rindenschuppen (> sh. Foto) und am Stammfuß

Bild 2: Ein typisches Bild Ende Mai 2017: Die „Monitoring-Fallen“ sind mit frisch gefangenen Borkenkäfern prall gefüllt!

Kategorien: Rathaus

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